Wien und Tee – auf den ersten Blick keine naheliegende Verbindung. Zu stark scheint die Stadt mit Kaffeehäusern, Melange und Sachertorte verknüpft zu sein. Und doch hat Tee in Wien eine lange und überraschend facettenreiche Geschichte.
Eine Geschichte, die nicht in Salons begann, sondern in einfachen Haushalten und Apotheken. Die über Handelswege führte, durch feine Gesellschaften ging – und schließlich im Alltag der Wiener ankam.
Ein Heferl Tee: Zwischen Heilkunde und Hausmittel
Bevor Tee in Wien zum Genuss wurde, war er vor allem eines: Medizin und Hausmittel. Was man über Jahrhunderte hinweg unter "Tee" verstand, hatte mit Camellia sinensis wenig zu tun. Stattdessen dominierte das, was die Natur vor der Haustür oder die allseits bekannten Kräuterfrauen auf der Gasse anboten: Kamille, Minze, Salbei oder Fenchel. Aufgegossen wurde, was guttat, fruchtiges Highlight waren Aufgüsse aus Apfelschalen und Hagebutten.
Diese Tees wurden in Haushalten ebenso wie in Apotheken verwendet – funktional, bodenständig und tief in der Alltagskultur verankert. Nicht der Rede wert, hätte man damals wohl gesagt.
Kolonialwaren und feine Kreise: Die ersten „echten“ Tees
Mit dem 18. und 19. Jahrhundert begann sich das Bild langsam zu verändern: über Handelswege und sogenannte Colonialwarengeschäfte fanden erstmals auch "echte" Tees ihren Weg nach Wien: Schwarztee aus Indien und Ceylon, später auch Grüntee aus China. Diese Produkte waren kostbar, da importiert, und entsprechend exklusiv. Getrunken wurde Tee aus fernen Ländern nun auch aus Stilgründen und um sich von der Masse abzuheben.
In gehobenen Kreisen galt er als Ausdruck von Weltgewandtheit und kosmopolitischem Geschmack. Wer Tee trank, zeigte, dass er über den Tellerrand blickte – und vielleicht auch ein wenig mit London oder Paris liebäugelte. Aber natürlich blieb Wien Wien: Ganz ohne Mehlspeise ging auch der Teegenuss selten über die Bühne.
Zwischen Kaffeehaus und Wohnzimmer: Tee findet seinen Platz
Während das Kaffeehaus seinen festen Platz im Wiener Alltag behauptete, entwickelte sich Tee eher im Stillen weiter. Er wurde zum Begleiter für ruhigere Momente – weniger laut, weniger gesellschaftlich inszeniert, dafür persönlicher. Ganz im Sinne des Biedermeier.
Im 20. Jahrhundert hielt vor allem Schwarztee zunehmend Einzug in private Haushalte. Besonders in den kühleren Monaten wurde er geschätzt: wärmend, vielseitig und unkompliziert, gerne auch mit einem kräftige Schuss Rum verlängert. Gleichzeitig blieb die Auswahl lange überschaubar: Kräutertee, Hagebuttentee, Schwarztee – viel mehr gab es nicht zur Auswahl.
Die 1980er: Wien entdeckt die Vielfalt des Tees neu
Ein echter Wendepunkt kam in den 1980er-Jahren: Mit der Einführung von exotischem Tee bei Haas&Haas und in einigen anderen Teegeschäften begann in Wien eine neue Ära der Teekultur. Plötzlich war Tee nicht mehr nur funktional oder klassisch, sondern vielfältig, aromatisch und aufregend neu.
Neben hochwertigen Schwarz- und Grüntees begeisterten anfangs vor allem Früchtetees und Schwarztees mit exotischen Zutaten, die in dieser Form bisher kaum bekannt waren. Die Reaktion der Wiener fiel überraschend eindeutig aus: Man stand Schlange, um ein duftendes Päckchen aus der Innenstadt mit nach Hause zu bringen.
Da die Nachfrage schneller wuchs als erwartet, führte dieser Hype zu einer mutigen Entscheidung, von der die Wiener Teegesellschaft bis in die heutige Zeit profitiert: Haas&Haas widmete sich ab sofort ganz dem Thema Tee und wurde zur stadtbekannten Institution, die gemeinsam mit weiteren Teeläden für Qualität in der Tasse sorgt.
Hochwertiger Tee für den täglichen Genussmoment
Heute ist Tee in Wien so vielfältig wie die Stadt selbst: Zwischen klassischer Teekultur und modernen Mischungen, zwischen schnellen Alltagsmomenten und bewusstem Genuss. Zwischen ausgiebigem Afternoon Tea und Iced Matcha Latte to go. Oder, wie man es in Wien sagen würde: Tee hat eh immer schon dazugehört.